Ich sehe was, was du nicht siehst


Ich bin anscheinend doch noch nicht so alt,

wie ich mich manchmal fühle.

Das weiß ich, weil ich wie als kleines Kind

immer wieder etwas spiele:

Ein Spiel aus frühsten Kindertagen,

es besteht aus vielen Fragen.

Ich bin mir sicher: Jeder kennt es,

hat es schon einmal gespielt.

Nur schade, dass es sich

nicht mehr so gut anfühlt.

 

Ich sehe was, was du nicht siehst

und das ist mausgrau.

Ich mein die Flusen in den Ecken,

wie beim Baumwollanbau.

Ich sehe was, was du nicht siehst

und das ist rot-braun-grün.

Du hast gekocht, man kanns am Herd,

am Küchenboden sehn.

 

Ich sehe was, was du nicht siehst,

es liegt im Gang herum:

Matschige Erde überall

von deinen Joggingschuhn!

Ich sehe was, was du nicht siehst,

das hat ein graues Fell.

Denn wenn im Kühlschrank was vergammelt,

dann passiert so was schnell.

 

O welch ein seliges, süßes Urvertraun:

Jaja, die Mutti wird schon nach allem scha-a-aun.

O ja, das lernt Mann schon in Kinderjahren,

lange vorm Klavierspieln und vorm Autofahren,

dieses selig-süße Urvertraun!

 

Ich hörte das, was du nicht hörst,

vor vielen Jahren schon:

Die schrillen Töne von den Kleinen

aus unserm Babyphon.

Ich höre was, was du nicht hörst,

das piept seit Stunden schon:

Die Wäsche trocknet sich den Wolf

in unserm Waschsalon.

 

Ein Gutes hat es doch,

dass du nicht alles hörst und siehst,

dass ich inzwischen Falten hab

ist nichts, was dich verdrießt.

Wenn ich meckere statt lobe,

mich schwer in Wallung tobe,

gehts rechts hinein und links heraus,

das zeichnet dich zum Glück

als echten Mann auch aus.

 

O welch ein seliges ...

 

Text und Musik: Thea Eichholz

Arrangement: Eberhard Rink, Thea Eichholz

© 2015 Gerth Medien Musikverlag, Asslar


 

Dieser Song ist zu finden auf dem Album: "Die Mütter on Kur"